Hanghäuser: Bauen mit Aussicht

- Statt aufwendiger Betonarbeiten sitzt dieses Hanghaus auf Pfählen, die die Last der leichten Holzkonstruktion tragen. Außerdem fließt Wasser, das von oben kommt, einfach unter dem Haus ab, statt gegen Kellerwände zu drücken. (Foto: ZimmerMeisterHaus)
Wer im Hanghaus wohnt, kann meist einen majestätischen Ausblick genießen. Bevor es jedoch so weit ist, müssen Bauherren nicht nur den „Hausberg” erklimmen, sondern auch so manche andere Hürde nehmen. Denn Hanghäuser erfordern oft eine besondere Planung.
Bauen am Hang ist eine Herausforderung: Je steiler die Lage, desto größer sind die Anforderungen an die Bautechnik – und desto höher ist auch die Gefahr, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Deshalb ist bei einem solchen Vorhaben die Kompetenz eines erfahrenen Architekten besonders wichtig, der mit dieser schwierigen Bausituation vertraut ist.
Der Architekt ist außerdem als Gestalter gefragt. Schließlich birgt die Hangsituation nicht nur Risiken, sondern auch große gestalterische Chancen. Wenn diese geschickt genutzt werden, kann dies zu einem Ergebnis mit ganz eigenem Flair führen. Es ist die Aussicht auf ein ganz besonderes Haus sowie das Bauen in einer meist bevorzugten Lage, die viele Bauherren das „Wagnis Hanghaus” auf sich nehmen lässt.
Fernsicht statt Einsicht durch die Nachbarn: Das gilt bei Hanghäusern oft auch für die unteren Geschosse. (Foto: Bodenseehaus)
Erschließung von oben oder von unten
Kaum eine Lage bietet einen so großen Variationsreichtum wie die Hanglage. Sogar barrierefreies Wohnen ist möglich, wenn ein ebenerdiger Hauptzugang eine ausreichend große Wohnfläche auf einer Ebene erschließt. Ob dies von oben, von der mittleren oder der unteren Etage her erfolgt, hängt vom Grundstück und dessen Erschließung ab: Liegt das Haus oberhalb oder unterhalb der Straße? Diese Frage ist auch wichtig, wenn es um die Abwasserentsorgung geht: Bei einer Erschließung von oben kann es notwendig sein, das Abwasser über eine Hebeanlage auf das Straßen- bzw. Kanalisationsniveau zu heben.
Erschließung von unten: Die Doppelgarage wurde in den Hang hinein gebaut und wird von einer großen Dachterrasse gekrönt. Hinter dem Auto haben die Kellerräume Platz. (Foto: Haacke-Haus)
Die Welt zu Füßen
Oft ist es sinnvoll, die untere Ebene nicht komplett in den Hang hinein zu graben, sondern als Teilgeschoss für die Garage oder – bei der Erschließung von oben – für gut belichtete Kellerräume zu nutzen. Eine Ebene höher lässt sich die Ausweitung auf die volle Geschossfläche wesentlich kostengünstiger verwirklichen. Wer sich von den klassischen Vorstellungen wie „unten Wohnen, oben Schlafen” verabschiedet, kann unkonventionelle Lösungen umsetzen. So können zum Beispiel die „dunkleren” Erd- oder Halbgeschosse Schlaf- und Funktionsräume aufnehmen – und im darüber liegenden Wohnbereich liegt den Bewohnern beim Tritt auf den Balkon die Welt förmlich zu Füßen. Auf die übliche „Verlängerung” des Wohnbereichs auf eine Terrasse muss bei seitlich am Hang liegenden, ebenerdigen Ausgängen trotzdem niemand verzichten.
Wohnen im „Keller”
Hangkeller eignen sich aufgrund der meist günstigen Lichtverhältnisse besonders gut zur Wohnraumerweiterung. Die Sonne erreicht problemlos auch die unteren Stockwerke, die sich nach vorne zum Tal öffnen. So können hier Gartengeschosse oder Einliegerwohnungen mit direktem Zugang ins Freie entstehen. Eine wasserdichte Ausführung des Kellers sowie eine gute Wärmedämmung sorgen für Gemütlichkeit. Dass man im Keller sitzt, merkt man im Alltag überhaupt nicht.
Baugrund im Visier
Eines der größten Risiken beim Bauen in Hanglage stellt der Baugrund dar. Lockeres Erdreich, aufgeschüttete Hänge, Fels und Gestein oder auch talwärts drückendes Grundwasser können zu einer Kostenexplosion führen. Fragen Sie vor dem Bau die Nachbarn, die darüber oft aus eigener Erfahrung berichten können. Noch größere Planungssicherheit erhält der Bauherr durch ein Bodengutachten. Hierbei wird neben der Tragfähigkeit und generellen Beschaffenheit des Bodens unter anderem auch das Wasservorkommen überprüft, verbunden mit konkreten Hinweisen auf notwendige Stütz- oder andere Baumaßnahmen. Aufgrund eines solchen Gutachtens lassen sich Aufwand und Kosten wesentlich genauer abschätzen.
