Selbstbauhäuser: Wirklich „kinderleicht“?

- Foto: Variant-Haus/Neopor
Baukastensysteme und leichte Materialien machen den Rohbau zum Kinderspiel. Wer etwas handwerkliches Geschick und einige fleißige Helfer hat, kann die Wände seines Hauses in Eigenregie hochziehen. Die eigentliche Herausforderung kommt danach, wenn es an Installationen und den Innenausbau geht.
Für viele Bauherren ist das Selbstbauhaus die einzige Möglichkeit, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Denn bis zu 40.000 Euro lassen sich so sparen – allerdings nur mit viel Know-how, Zeit und noch mehr Helfern. Realistischer sind bis zu 20.000 Euro, die beispielsweise bereits durch Einsatz der eigenen Arbeitskraft bei Rohbau, Maler- und Bodenlegerarbeiten zusammenkommen können.
Bausatzsysteme für den Rohbau gibt es in mehreren Varianten. Sie unterscheiden sich in den Wandaufbauten und werden von den Herstellern als Komplettpaket – inklusive Spezialwerkzeug - geliefert. Für alle Systeme gilt: weder extreme Muskelkraft noch große Vorkenntnisse im Maurer- oder Zimmermannshandwerk sind für die Verarbeitung nötig.
Selbstbausysteme im Überblick
Blockbohlenwände: Der Bauherr erhält die maßgerecht zugeschnittenen und durchnummerierten Blockbohlen angeliefert. Er muss sie aufeinander setzen und je nach Wandaufbau die Zwischendämmung einbringen.
Porenbetonsteine: Die leichten, weißen und großformatigen Plansteine werden im Dünnbett-Mörtel-Verfahren gesetzt. Porenbeton verfügt über gute Wärmedämmeigenschaften, meist reicht deshalb ein einschaliger Wandaufbau.
Schalungssteine mit Betonkern: Schalungssteine sind „Hüllsteine”, die je nach System aus zementgebundenen, mineralisierten Holzspänen oder aus Polystyrol-Hartschaum bestehen. Diese Schalungssteine werden, wenn die Wand steht, stockwerksweise mit Beton verfüllt. (Foto: Praktikhaus)
Holztafel-Kleinelemente: Hier handelt es sich um vorgefertigte Wandelemente. Sie gleichen den im Fertigbau üblichen Holztafelwänden, sind allerdings kleiner und damit handlicher. Die Tafeln können von drei bis vier Personen getragen und gesetzt werden. Verklebung der einzelnen Elemente sorgt für Winddichtigkeit.
Fachwissen gefragt - der Innenausbau
Sobald der Rohbau inklusive Dach regendicht ist, das heißt nach Einbau von Fenstern und Türen, beginnt der Innenausbau. Für jedes einzelne Gewerk gibt es passende Ausbaupakete. Der Bauherr kann auswählen, wobei sich nicht alles für Eigenleistung eignet. Manchmal ist Expertenwissen erforderlich, bei den Elektroinstallationen muss ein Fachhandwerker Hand anlegen. Hier muss der Bauherr jedes Gewerk selbstkritisch prüfen: Was kann selbst oder über versierte Helfer abgedeckt werden? Was sollte vorsichtshalber als Komplettleistung vom Haushersteller eingekauft oder an einen Fachhandwerker vergeben werden? Das Risiko ist groß: Verzögerungen beim Baufortschritt können teuer werden. Zu bewältigen sind unter anderem:
- Heizungsinstallation
- Sanitärinstallation
- Elektroinstallation
- Innenputz
- Estrich
- Treppen
- Innentüren
- Bodenbeläge
- Wandbeläge
- Malerarbeiten
Selbstbau – richtig geplant
Um das Projekt Selbstbauhaus erfolgreich zum Abschluss zu führen, ist eine realistische Einschätzung der Kosten und der eigenen Kräfte unabdingbar. Die Eigenleistung sollte sinnvoll an den Stellen eingesetzt werden, wo sie am meisten bringt. Also bei Gewerken, bei denen genügend Fachwissen des Bauherrn oder seiner Helfer vorhanden ist und bei denen der Arbeitseinsatz hoch ist. Denn Materialkosten fallen immer an, gespart wird nur der Lohn. Die folgenden Übersichten helfen bei der Entscheidung.
Das bringt Eigenleistung:
Was man beim Bauen durch Eigenleistung sparen kann (PDF-Download auf www.vpb.de)
Stand: 06/2009
