Wul Logo

Sie sind hier: Meine Themen » Selber machen » Möbel restaurieren (Teil 3): Schäden beheben

Möbel restaurieren (Teil 3): Schäden beheben

moebel-restaurieren_e2ba17557f.jpg
Ein Restaurator hat in seiner Werkstatt einen ganzen Fundus alter Furniere. Foto: Tim Messick-Istockphoto

Manchmal haben Möbel Risse und Löcher, manchmal fehlen ganze Teile. Lesen Sie, welche Füllmaterialien es gibt, wie Sie Furnier reparieren und schadhafte Teile ersetzen.

Um einschätzen zu können, um welche Art Möbel es sich bei Ihrem Objekt handelt, sollten Sie zuvor Teil 1 unserer Serie Grundlagen Möbelrestaurierung lesen. Wie Sie die Statik eines Möbelstücks wieder herstellen, erfahren Sie in Teil 2 Statik.

Holzkitt & Co.

Feine Risse und Löcher können auf unterschiedlichste Weise gefüllt werden. Der sogenannte Holzkitt steht in zahlreichen Holztönen, meist in kleinen Metalldosen zur Verfügung. Seine Verarbeitung ist einfach, der Kitt neigt jedoch dazu, brüchig zu werden. Tiefere Löcher sollten in mehreren Schichten aufgefüllt werden.
Aus einem Gemisch aus Schleifstaub und Holzleim kann ein einfacher Holzkitt auch selbst hergestellt werden.

Schellack- oder Wachsstangen werden an einem Bügeleisen geschmolzen, so dass die flüssige Masse in die Schadstelle tropft. So können auch etwas größere Löcher und Risse geschlossen werden. Falls das Möbel später gewachst werden soll, empfiehlt sich die Verwendung von Wachskitt. Bei einer späteren Schellackpolitur sind die Schellackstangen das Mittel der Wahl. Überschüssiges Material kann mit einem Stemmeisen vorsichtig entfernt werden.

Am besten haften Zwei-Komponenten Füllstoffe. Diese sind allerdings ein Produkt der chemischen Neuzeit, so dass manche Restauratoren sie ablehnen. Außerdem ist die Farbabstimmung schwierig. Mit ihnen können jedoch auch größere Lücken dauerhaft gefüllt werden. Nach dem Aushärten ist das Material sehr fest. Es ist in unterschiedlichen Farbtönen zu haben, neigt allerdings zum Verblassen.

Generell fällt eine „Flickstelle”, die eine Nuance dunkler ist, weniger auf als eine hellere. Falls der exakte Farbton nicht zu haben ist, sollten Sie also eher zur dunkleren Alternative greifen. Mit feinem Pinsel und Beize lassen sich die Flickstellen auch farblich anpassen.

Furnierschäden beheben

Bei vielen Antiquitäten bestehen die konstruktiven Teile des Möbels aus Weichholz. Das repräsentative Äußere ergibt sich durch aufgeklebtes  Furnier. Mit den Jahren kann es passieren, dass das Furnier Blasen wirft, sich löst oder an den Kanten absplittert.

Blasen im Furnier

Blasen, die sich durch gelöstes Furnier bilden, sind entweder mit dem bloßen Auge erkennbar oder durch leichtes Abklopfen der Oberfläche mit dem Finger hörbar.
Furnier_restaurierenEs gibt zwei Möglichkeiten, die Stellen zu reparieren: Zunächst sollte man versuchen, durch Erhitzen mit dem Bügeleisen den Knochenleim unter dem Furnier wieder anzulösen, um dadurch die erneute Haftung zu erreichen. Legen Sie ein Tuch zwischen Bügeleisen und Holz.

Da früher meist mit erwärmtem Knochenleim geleimt wurde, haften Furniere oft wieder, wenn man sie mit dem Bügeleisen erhitzt.

Sollte dies wirkungslos bleiben, kann mit einer Spritze Leim untergespritzt werden: Mit einer starken Nadel wird der Leim in die Blase gespritzt. Auf die Stelle ein Stück Zeitung und eine Zulage legen und verspannen. Die Zeitung verhindert das Ankleben der Zulage. Nach der Trocknung schleifen.

 

Durch Einspritzen von Leim haften losgelöste Furniere wieder.

Fehlendes Furnier ersetzen

Löcher im Furnier können mit einem neuen Furnierstück „geflickt” werden. Wer nicht – wie die meisten Restauratoren – auf einen Fundus historischer Furniere zurückgreifen kann, wird sich schwer tun, ein passendes Furnierstück zu finden. Die Holzart muss dieselbe wie beim Möbel sein, im Idealfall passen Maserung, Farbe und Materialstärke zur schadhaften Stelle. Was die Farbe angeht, so kann mit etwas Beize nachgeholfen werden. Wer nur dünnere Furniere zur Verfügung hat, kann zwei Furnierstreifen aufeinander leimen.

Furnier_restaurierenAus dem Ersatzfurnier wird mit einem scharfen Cutter der „Flicken” ausgeschnitten. Gerade Schnitte quer zur Faser, sind auffällig und sollten vermieden werden.

Die Umrisse des „Flickens” werden auf das Möbel übertragen.

Der „Flicken” wird dann auf die fehlerhafte Stelle  gelegt und seine Umrisse mit feinem Bleistift übertragen. Jetzt können die Umrisse der ausgebrochenen Stelle dem „Flicken” exakt angepasst werden. Das Holz an der beschädigten Stelle säubern und den „Flicken” einleimen: Mit Zeitung, Zulage und Zwinge verspannen. Nach der Trocknung schleifen.

Fehlende Teile ersetzen

Fehlen bei einem Massivholzmöbel ganze Holzstücke, geht man ähnlich vor wie beim Ersetzen fehlenden Furniers. Zunächst gilt es, ein in Holzart, Maserung und Farbe passendes Stück Holz zu finden. Aus diesem wird das fehlende Teil möglichst passgenau ausgeschnitten. Nach dem Zuschnitt des „Flickens” wird dessen Form auf das Möbel übertragen und die fehlerhafte Stelle mit dem Stemmeisen dem „Flicken” angepasst und eingeleimt.
Furnier_flickenDamit die Zwinge beim Verleimen nicht abrutscht, kann es je nach Form des Möbels notwendig sein, die Zulage entsprechend zuzuschneiden.

Ein fehlendes Teil wurde ersetzt und muss jetzt noch in der Form angepasst werden.

Bei geschweiften Möbeln empfiehlt es sich, die Flickstelle zunächst ohne Leimzugabe probezuspannen. Nach dem Einleimen des „Flickens” wird seine Form mit Stemmeisen und Schleifpapier der Form des Möbels angepasst. Mit Beize kann die Farbe angeglichen werden.

Achtung:
Für alle Methoden gilt: Sobald eine Stelle geschliffen werden muss, wird eine neue Oberflächenbehandlung des Möbels nötig.

Weiterführende Informationen: