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Restaurieren: Oberflächen behandeln (Teil 4)

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Foto: Thomas Aumann-Fotolia.com

Die richtige Oberflächenbehandlung bringt die Schönheit des Holzes erst richtig zum Vorschein. Hier eine Übersicht der gängigen Methoden.

Was es zuvor zu tun gibt, erfahren Sie in den ersten drei Teilen unserer Serie: Teil 1 „Grundlagen Möbelrestaurierung”, Teil 2 „Statik” und Teil 3 „Schäden beheben”.

Der Markt an Oberflächenbehandlungsprodukten ist breit und unübersichtlich. Neben reinen Wachs- und Ölprodukten sind auch Kombiprodukte erhältlich. Kunstharz-, Naturharz-, Ein- oder Zweikomponentenlacke reihen sich in den Regalen der Baumärkte. Wir haben einige der gängigsten Produkte herausgegriffen. Halten Sie sich beim Verarbeiten immer an die Vorgaben des Herstellers.

Die Vorarbeit: gründlich schleifen

Der Erfolg bei der Oberflächenbehandlung hängt entscheidend von der Vorarbeit ab. Die Oberfläche muss zunächst fein geschliffen werden – am besten in mehreren Durchgängen, beginnend mit Körnung 100 oder 120 bis hin zu Körnung 180. Wie gründlich Sie hier arbeiten müssen, hängt auch vom Oberflächenüberzug ab: Eine deckende, farbige Lackschicht versteckt kleine Ungenauigkeiten, Leinöl bringt hingegen jeden winzigen Kratzer zum Vorschein.
Ob Sie besser mit oder ohne Schleifklotz arbeiten, ist von der Oberfläche abhängig. Vor allem bei leicht gewellter oder furnierter Oberfläche werden Sie ohne Schleifklotz besser zurecht kommen. Schleifen Sie immer in Richtung der Maserung, niemals quer dazu.

Fein- und Zwischenschliff

Schleifpapier-Moebel restaurierenNach dem Auftrag der ersten Lack-, Politur-, Wachs- oder Ölschicht erfolgt ein Zwischenschliff mit Schleifpapier Körnung 320 oder feiner. Die Flüssigkeitsaufnahme macht die Holzoberfläche rau, nach dem Zwischenschliff ist sie spürbar glatter. Meist genügt eine zweimalige Behandlung der Oberfläche.
Die Körnung machts beim Schleifpapier: Je gröber das Korn, desto mehr Material wird abgetragen. Foto: academic.ru

Einlassen mit Leinöl

Bei Ölen für Holzoberflächen handelt es sich meist um Leinölfirnis. Dem Leinöl sind dabei Trockenstoffe beigemischt, mit denen die Trockenzeit von mehreren Tagen auf 24 Stunden abgekürzt wird.
Greifen Sie am besten zum Produkt eines Naturfarbenherstellers, dann erhalten Sie eine ökologische und gesundheitlich unbedenkliche Holzoberfläche. Das Öl wirkt auf dem Holz wie eine Imprägnierung: Es dringt tief in die Oberfläche ein und „feuert” die Maserung an, das heißt, die natürlichen Holzfarben werden intensiver. Das Holz bleibt dabei offenporig, das heißt es kann Luftfeuchtigkeit aufnehmen und abgeben (was landläufig auch als „atmen” des Holzes bezeichnet wird).
Die Behandlung mit Ölprodukten ist auch für Laien einfach zu bewerkstelligen: Das flüssige Öl wird mit Pinsel oder Lappen satt aufgetragen. Nach einer kurzen Einwirkzeit muss die überschüssige Flüssigkeit mit einem Lappen gründlich abgenommen werden. Reiben Sie kräftig nach, sonst klebt später die Oberfläche. Nach der Trocknungszeit, meist 24 Stunden, den Vorgang wiederholen.

Achtung: Ölgetränkte Lappen in einem Glas mit Schraubverschluss aufbewahren oder ausgebreitet ins Freie hängen. Zusammengeknüllt liegengelassen können sie sich selbst entzünden! Geölte Oberflächen erhalten einen schönen Glanz, wenn sie abschließend gewachst werden.

Die gewachste Oberfläche

Wachs ist in flüssiger oder in fester Form erhältlich. Vor allem Weichhölzer oder Eiche eignen sich dazu, gewachst zu werden. Der Oberflächenüberzug findet in der Regel bei Massivholzmöbeln in ländlich-bauerlichem Stil Anwendung. Wie auch bei der geölten Oberfläche lässt Wachs die Poren offen, das Wachs dringt allerdings nicht so tief ins Holz ein. Die Oberfläche reagiert später auch empfindlicher auf Wasser und Hitze als die eines geölten Möbels. Die gewachste Oberfläche kann poliert werden, so dass eine leicht glänzende Oberfläche entsteht. Außerdem lässt sich mit gefärbten Antikwachsen eine „Antik-Optik“ erzielen.
Öl ist die ideale Grundierung für eine gewachste Oberfläche. Das Wachs kann aber auch direkt aufgetragen werden, beachten Sie auch hier die Herstellerangaben. Das Material mit einem weichen Lappen in Faserrichtung in das Holz einreiben. Nach kurzer Trockenzeit mit einem sauberen Lappen polieren oder mit einer Rosshaarbürste glätten und blankreiben. Geölte und gewachste Oberflächen können übrigens jeder Zeit ganz problemlos erneuert oder ausgebessert werden.

Gut versiegelt mit Lack

Wie auch bei den Ölen und Wachsen ist der Markt der Lacke unübersichtlich. Bei Möbeln empfiehlt es sich, lösemittelfreie Lacke auf Wasserbasis zu verwenden. Diese trocknen zwar etwas langsamer als die lösemittelhaltigen, diesen Nachteil machen sie aber durch die einfachere Handhabung wett: Das Werkzeug lässt sich problemlos mit Wasser reinigen und bei der Verarbeitung sind Sie nicht den Lösemitteldämpfen ausgesetzt. Lacke sollten Sie mit dem Pinsel oder der Rolle gleichmäßig auftragen und nach dem Zwischenschliff ein zweites Mal lackieren.

Lack verschließt die Holzoberfläche – das hat Vor- und Nachteile. Von Vorteil ist die Unempfindlichkeit einer lackierten Oberfläche. Wasser, Kaffee, Rotwein alles lässt sich problemlos wegwischen. Kritisch wird es, wenn die Lackschicht beschädigt wird und Flüssigkeit unter den Lack gelangt. Dann beginnt der Lack an dieser Stelle abzuplatzen. Die Reparatur – also das erneute Überstreichen – einer solchen Stelle bleibt immer sichtbar. Da bleibt es nur, die ganze Fläche zu schleifen und neu zu lackieren.
Wer mit modernen Lacken arbeitet, muss sich im Klaren darüber sein, dass er ein antikes Möbel damit nicht stilgerecht erhält – es sei denn, er greift auf traditionelle Öl- oder Spirituslacke aus dem Restauratorenbedarf zurück. Der Griff zu modernen Lackprodukten ist nur für Möbel ohne echtem Sammlerwert zu empfehlen, die statt im Sperrmüll zu landen aufgepeppt werden sollen.

Eine Kommode mit Barock-Optik erstrahlt mit etwas Lack in neuem Glanz. Foto: Paint Quality Institute

Schellack, die hohe Schule

Im 19. Jahrhundert war die Zeit der mit Schellack polierten Oberflächen. Am besten zum Polieren geeignet sind feinporige Hölzer wie Birnbaum, Kirschbaum, Nussbaum, Mahagoni und Birke. Das Polieren erfordert viel Übung und Erfahrung und sollte im Zweifelsfall einem Fachmann überlassen werden.
Die Schellackpolitur wird mit einem Ballen aus Watte, Wolle und Leinen in mehreren Arbeitsgängen ins Holz eingerieben, bis eine hochglänzende Oberfläche entstanden ist.



 

Durch die Schellack-Oberfläche kommt das Nussbaum-Furnier des Biedermeier-Nachtkästchen wunderschön zur Geltung. Foto: Stefan Niederauer-Fotolia.com

Buchtipp

Wer die Kunst des Polierens erlernen oder weitere Tipps rund ums Restaurieren lesen möchte, findet in dem Buch Oberflächenbehandlung alter Möbel von Ellinor Schnaus viele praktische Anregungen. Urania Verlag ISBN-13: 978-3419537169, 25 Euro.

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