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Klassiker aus dem Möbeldesign

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Lebensgefühl der 60er-Jahre: Eero Aarnios frei von der Decke schwingender Bubble Chair (1968). Foto: Adelta

Es gibt viele gute Möbelentwürfe, es gibt aber nur wenige, die Geschichte schrieben. Während mancher Sammler auf alte Originale aus ist, kaufen sich andere Designliebhaber Neueditionen von Design-Klassikern.

Wenn ein Möbelstück, das vor gut hundert Jahren entwickelt wurde, immer noch erfolgreich verkauft wird, ist der Entwurf wohl von besonderer Brillanz. Kann man hier vielleicht objektiv von gutem Design sprechen? Solche Entwürfe wirken dauerhaft modern und trotzen unserer schnelllebigen Zeit – echte Klassiker eben.

Möbelklassiker – mitten im Leben

Barcelona Sessel-Mies van der RoheKenner und Liebhaber zählen zur vorrangigen Käuferschicht von Möbelklassikern. Oft übernehmen die Möbel auch repräsentative Aufgaben: Mies van der Rohes Barcelona-Sessel, entworfen für die Weltausstellung 1929, schmückt die Empfangsräume zahlreicher Firmen.

Ein römischer Magistratsstuhl stand Pate für Ludwig Mies van der Rohes Barcelona-Sessel (1929). Foto links: Knoll

fritz-hansen-sessel-schwan-Arne JacobsenDie Talkshowgäste bei Anne Will machen es sich auf dem Stuhlentwurf „Swan” bequem. Arne Jocobsen entwickelte das Modell in den späten 50ern. Foto rechts: Fritz Hansen

Thonet-Stuhl-Bugholz

Thonets Bugholzstuhl
aus dem Jahr 1859 findet man heute, 150 Jahre später, immer noch in zahlreichen Caféhäusern. Er markiert den Beginn der seriellen Möbelherstellung. Im Jahr 1930 waren bereits mehr als 50 Millionen Exemplare verkauft.
Foto links: Thonet


Möbelprodukte der Moderne

Konzipiert wurden diese Möbelentwürfe keineswegs für eine exklusive Käuferschaft, im Gegenteil: Sie waren für die Massenproduktion gedacht.

In den Anfangszeiten des Möbeldesigns entwickelten Architekten oft auch Entwürfe zur Inneneinrichtung. Vor allem die Architekten des Bauhauses, wie Le Corbusier oder Mies van der Rohe, verstanden die Gestaltung von Räumen als Gesamtkonzept. Generell erreichten jedoch viele der innovativen Entwürfe des Bauhauses – obwohl sie für die Massen gedacht waren – nur eine informierte Elite.



Bauhaus Modell Wassily (1925–1927) von Marcel Breuer.
Foto oben: Knoll International

Design-Entwürfe, die Geschichte schrieben

Nur sehr wenige der Klassiker waren seit ihrer Entwicklung durchgehend auf dem Markt. Der Zweite Weltkrieg legte auch die Produktion von Möbeln weitgehend lahm, manche Stücke waren hingegen ihrer Zeit einfach voraus. Die Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld beispielsweise trat – obwohl sie bereits 1924 entworfen wurde – ihren Siegeszug erst in den 80er-Jahren an.

Die am Bauhaus entworfene Tischleuchte (1923–1924) von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker wurde oft kopiert. (Foto rechts: Tecnolumen)

Möbel als Anlageobjekt

Viele Designklassiker werden heute noch, wenn auch meist in modifizierter Form, produziert. Liebhaber sind jedoch oft auf Originalstücke aus der Entstehungszeit aus. Diese haben teilweise den Rang – und den Preis – eines Kunstwerks.

Für Schnäppchenjäger sind aber auch die heute produzierten Möbelklassiker nichts. Firmen wie Knoll International, Fritz Hansen oder Cassina legen nicht nur Wert auf die genaue Wiederherstellung von Originalen. Sie sind außerdem Inhaber der (meist teuer bezahlten) Lizenzen, sprich der offiziellen Erlaubnis des Designers oder seiner Erben, das Möbel produzieren zu dürfen.

Fritz HansenDas große Interesse an Möbelklassikern lässt natürlich auch Nachahmer auf den Plan treten, die Plagiate zu einem Bruchteil des Preises verkaufen. Die Qualität dieser Kopien ist manchmal unglaublich schlecht, manchmal aber auch durchaus passabel. In der Fachwelt sind solche Kopien verpönt und als Sammlerstück wertlos.

Liebhaber sind oft auf Originalstücke aus der Entstehungszeit aus. Diese haben teilweise den Rang – und den Preis – eines Kunstwerks.

Der „Egg Chair” wurde 1958 von Arne Jacobsen für Fritz Hansen entworfen. Die Firma produziert den kultigen Sessel auch heute noch. (Foto: Fritz Hansen)

„Gebrauchte Möbel sollte man sich genau ansehen”, so Wolfgang Steck, Inhaber der Stuttgarter Designmöbel-Galerie Fifty-Fifty, „Es gibt Gebrauchsspuren, die dem Möbel Charme verleihen, es gibt aber auch Spuren, die schlicht und einfach Beschädigungen sind.”

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